StartBerichteMikrowelten – Geschichten der Computertechnik – Teil 7: Der Zukunftsprozessor

Mikrowelten – Geschichten der Computertechnik – Teil 7: Der Zukunftsprozessor

  • 2 Wochen her
  • 20Minuten

Die meisten CPUs sind Kopien bekannter Konzepte. Wenn überhaupt, verbessern sie die Geschwindigkeit. Oft sind sie nur günstigere Versionen teurer Modelle, was auf einer geringeren Leistung beruht, um Produkte für ein kleineres Budget zu bieten. Doch es gibt Prozessoren, die durch neue Ideen und Architektur einen großen technischen Sprung bedeuten. Neben dem 6502 und den bereits beschriebenen Intel-Prozessoren trifft dies auf den Motorola 68000 zu.

Die Galvin Manufacturing Corporation

1928 ersteigerten die Brüder Paul V. und Joseph E. Galvin bei einer Auktion für 750 Dollar die Pläne und Produktionsanlagen der bankrotten Stewart Battery Company für Batterie-Eliminatoren. Ein Batterie-Eliminator ist ein Gerät, das von einer anderen Stromquelle als einer Batterie gespeist wird und diese in eine geeignete Gleichspannung umwandelt, die von einem zweiten Gerät verwendet werden kann, das für den Betrieb mit Batterien vorgesehen ist. Das macht den Batteriewechsel überflüssig, kann aber den Vorteil der Tragbarkeit zunichtemachen. Er ist auch ein effektiver Ersatz für veraltete Batterietypen.

Nach dem Erwerb gründeten die Brüder ihr Unternehmen in Chicago. Die Galvin Manufacturing Corporation richtete ihr Geschäft in einem kleinen Teil eines gemieteten Gebäudes ein. Das Werk verfügte über ein Betriebskapital von 565 Dollar und fünf Angestellte. Die Lohnsumme der ersten Woche betrug 63 Dollar.

Die ersten Produkte des Unternehmens waren die besagten Batterie-Eliminatoren. Mit denen konnten batteriebetriebene Radios mit Haushaltsstrom betrieben werden. Aufgrund des Fortschritts in der Funktechnologie wurden diese bald überflüssig. Paul Galvin erfuhr, dass einige Radiotechniker Geräte in Autos einbauten, und forderte seine Ingenieure auf, ein preiswertes Autoradio zu entwickeln, das in die meisten Fahrzeuge eingebaut werden konnte. Sein Team war erfolgreich, und Galvin konnte auf der Tagung der Radio Manufacturers Association im Juni 1930 in Atlantic City ein funktionsfähiges Modell des Radios vorführen. Er brachte genügend Aufträge mit nach Hause, um das Unternehmen am Laufen zu halten.

Paul wollte einen Markennamen für das neue Autoradio der Galvin Manufacturing Corporation und schuf den Namen „Motorola“, indem er „motor“ (für Auto) mit „ola“ (von Victrola, ein Warenzeichen für Grammophone) verband, was zu dieser Zeit auch eine beliebte Endung für viele Unternehmen war. Das Unternehmen verkaufte sein erstes Radio der Marke Motorola am 23. Juni 1930 für 30 Dollar an H.C. Wall aus Fort Wayne, Indiana. Der Markenname Motorola wurde so bekannt, dass die Galvin Manufacturing Corporation 1947 ihren Namen in Motorola, Inc. änderte.

Das noch junge Unternehmen begann im November 1930 mit dem Verkauf von Motorola-Autoradioempfängern an Polizeidienststellen und Gemeinden. Viele Produkte von Motorola haben mit Funkgeräten zu tun, angefangen bei einem Batterieentferner für Funksprechgerät, über das erste tragbare Walkie-Talkie der Welt im Jahr 1940, Verteidigungselektronik, zellulare Infrastrukturausrüstung und Mobiltelefonherstellung. Im selben Jahr baute das Unternehmen sein Forschungs- und Entwicklungsprogramm mit Dan Noble auf, einem Pionier auf dem Gebiet des UKW-Radios und der Halbleitertechnologien, der der Firma als Forschungsleiter beitrat. Während des Zweiten Weltkriegs stellte das Werk das tragbare AM-Radio SCR-536 her, das für die Kommunikation der Alliierten unerlässlich war. Motorola rangierte unter den amerikanischen Unternehmen auf Platz 94, was den Wert der militärischen Produktionsverträge des Zweiten Weltkriegs betraf.

Motorola ging 1943 an die Börse. Nach der Umbenennung 1947 bestand das Hauptgeschäft in der Herstellung und dem Verkauf von Fernsehgeräten und Radios.

Funk und Fernsehen

Im Oktober 1946 führten Kommunikationsgeräte von Motorola die ersten Gespräche über den neuen Autofunkdienst der Illinois Bell-Telefongesellschaft in Chicago. 1947 begann das Unternehmen mit der Herstellung von TV-Geräten, und zwar mit dem Modell VT-71 mit 7-Zoll-Kathodenstrahlröhre. 1952 eröffnete Motorola seine erste internationale Tochtergesellschaft in Toronto, Kanada, um Radios und Fernsehgeräte herzustellen. 1953 wurde die Motorola-Foundation gegründet, um führende Universitäten in den Vereinigten Staaten zu unterstützen.

1955 stellte Motorola den weltweit ersten kommerziellen Hochleistungstransistor auf Germaniumbasis vor. Im selben Jahr wurde das heutige Fledermaus-Logo eingeführt, das von dem preisgekrönten Chicagoer Grafikdesigner Morton Goldsholl Ende 1954 entworfen worden war.

Im Jahr 1960 stellte das Unternehmen das weltweit erste tragbare (19-Zoll), transistorisierte und schnurlose Großbildfernsehgerät vor. Laut dem Illinois Manufacturers Directory von 1962 beschäftigte Motorola weltweit 14.000 Mitarbeiter, von denen mindestens 5.823 in 6 Werken in Illinois tätig waren.

Ab 1958, mit Explorer 1, lieferte die Firma jahrzehntelang Funkgeräte für die meisten NASA-Raumflüge, auch für die Mondlandung 1969. Ein Jahr später gründete das Unternehmen eine Tochtergesellschaft, um Lizenzen zu vergeben und Produkte für internationale Märkte herzustellen. Motorola entwickelte zahlreiche Erzeugnisse für die Regierung, für die öffentliche Sicherheit, Unternehmen und für die breite Öffentlichkeit.

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Sven Gramatke
Sven Gramatke//www.gravitationart.com/
Schreibt gelegentlich Artikel. Schwerpunkte sind Gamedesign, Programmierung (GML, PHP und JS), Retro und Berichte.
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