Byte GameMaker Magazin

Magazin für Hobby-Spieleentwicklung

EnDOSkopie – Leisure Suit Larry 1 – In the Land of the Lounge Lizards

Lesedauer 14 Minuten

1987 veröffentlichte Sierra mit Leisure Suit Larry 1 – In the Land of the Lounge Lizards nicht nur ein EGA-Adventure mit einem sperrigen Titel, sondern startete damit auch eine kuriose, skandalöse und sehr erfolgreiche Spielserie. Und machte einen kleinen Jungen zum Fan des Genres.

Mein erstes Adventure

Mit meinem Bruder besuchte ich das neu gebaute Haus unseres Onkels. Im Wohnzimmer stand dieser alte PC mit flimmernden Röhrenmonitor, der nur die Farben Schwarz und Orange kannte. Darauf befand sich nur ein Spiel. Keine Action, keine nennenswerte Gewalt. Da war nur dieser Typ, mit dem man herumlaufen und Unsinn machen konnte, wenn man die richtigen Befehle eingab. Per Tastatur. Auf Englisch.

Für einen Zehnjährigen klingt das womöglich so interessant wie den Zehennägeln beim Wachsen zuzusehen. Für mich war es eine riesen Sache, da ich um jede Minute froh war, die ich vor der magischen Kiste namens Computer verbringen durfte.

Das Game hieß Larry – und das es darin eigentlich um Pornographie ging, nahm ich nicht wirklich wahr. Es war ein Spiel, in dem ich alles selbst herausfinden durfte. Mich erwarteten kleine Abenteuer und große Überraschungen in einer schmutzigen, verruchten Welt.

Disney ist schuld

Sierra On-Line hatte bis Mitte der 1980er einen Vertrag mit Disney und entwickelte entsprechende Spiele, die u. a. aus der Feder des Gamedesigners und Programmierers Al Lowe stammen. 1986 endete die Zusammenarbeit und man überlegte, was man als Nächstes tun könne, vor allem mit dem talentierten Spieleentwickler. Al machte sich Gedanken. Sierra veröffentlichte bereits graphische Abenteuerspiele (King’s Quest 1-3 von 1984 bis 1986, Space Quest 1 1986, Police Quest 1 1987) und hatte da dieses alte, anrüchige Game. Ein Textadventure von 1981 mit dem eindeutigen Namen Softporno Adventure.

Im Spiel von Chuck Benton stürzte man sich ins Nachtleben, um Frauen aufzureißen. Al Lowe fand es mies, griff aber die Idee auf und unterbreitete Ken und Roberta Williams, die Gründer von Sierra, seine Vorschläge. Diese willigten ein und gaben Al alle Freiheiten, was sich auszahlen sollte.

Al hatte klare Vorstellungen vom Spiel und seiner Hauptfigur. Während man in anderen Abenteuerspielen einen Helden steuerte, bekam in Larry 1 der User die Gelegenheit, einen absoluten Nichtskönner zu zocken. Und statt eine virtuelle Sexszene nach der anderen abzuspulen, füllte er die Welt mit Leben und sehr viel Humor. Das Spiel war teils so absurd, dass sich die Spieler vor lachen bogen und den kleinen Vollversager in ihr Herz schlossen. Witze in Games gab es nämlich damals so gut wie nicht.

Im ersten Monat verkaufte sich das Spiel richtig schlecht. Es war bis dahin das erfolgloseste Spiel, das Sierra je veröffentlichte. Doch das außergewöhnliche Adventure sprach sich herum und monatlich verdoppelten sich die Verkaufszahlen. Nach acht Monaten war Larry in den Top 10 der US-Verkaufscharts. Insgesamt verkaufte es sich über 300 000 Mal.

Handlung und Spielwelt

Die Rahmenhandlung könnte kaum simpler sein. Larry Laffer ist 38 Jahre alt, ungeschickt, tollpatschig, oft vom Pech verfolgt erfolglos. Doch seine größten Probleme bestehen darin, dass er immer noch Jungfrau ist und bei seiner Mutter lebt. Eines Abends beschließt er, sich komplett zu ändern, um endlich bei den Frauen zu landen. Er reist in die Stadt „Lost Wages“, schmeißt sich in einen Freizeitanzug, geht auf die Piste und würde sich anschließend lieber vor einen Zug legen, als erneut jungfräulich zu Mama zurückzukehren. Übrigens: Die Idee mit dem Freizeitanzug entstand, weil sich Al Lowe über Softporn lustig machte und Ken Williams sagte, das würden nur Leute spielen, die einen Freizeitanzug tragen.

Was Sierra im Handbuch als „3-D Animated Adventure Game“ beschreibt, ist aus heutiger Sicht ein simples 2D-Spiel in EGA-Grafik (Enhanced Graphics Adapter, 16 Farben, im erweiterten Modus 64). Tatsächlich holten die Macher, Sierra typisch, sehr viel aus den limitierten Grafikmöglichkeiten heraus. Fast alle Schauplätze haben eine Tiefe. Per Tastatur konnte man frei herumlaufen und seine Befehle eingeben. Ja, man musste tippen, Phrasen, wie man sie vorwiegend aus LucasFilm Games Spielen kannte, gab es nicht. Zur zeitlichen Einordnung: Maniac Mansion erschien im Oktober 1987 und ließ sich komplett per Maus oder Joystick steuern. Außerdem war die Grafik detaillierter und hübscher, ihr fehlte aber die räumliche Tiefe der Sierra-Games.

Neben dem einzigartigen Humor besteht die Faszination von Larry vorwiegend aus der für damalige Zeit detaillierten Spielwelt, in der es darum geht, herauszufinden, was man alles tun kann. Dabei gibt es nur wenige Schauplätze. Larry startet in einer Bar und kann von hier aus per Taxi in eine Disco, in ein Casino, einem Laden oder einer Hochzeitskapelle. Überall erwartete einen ein Feuerwerk an Gags, sofern man die richtigen Befehle eintippte.

Mechanik und Rätsel

Mit King’s Quest 1 definierte Sierra 1984 den Genrestandard. Während im Kino Terminator lief und Zuschauern eine Zukunft gezeigt wurde, in der Maschinen die Menschheit ausrotten, zeigte das damals kleine Studio, wie moderne Abenteuer auszusehen hatten. Statt reine Textadventures, mit vereinzelten Grafiken, konnte man die Hauptfigur frei in der Welt bewegen. Die Interaktion bestand weiterhin aus Text, was zwei Vorteile bot: Zum einen brauchte man keine Maus, die nicht jeder Computerbesitzer besaß. Zudem blieb durch die Eingabe per Tastatur der Schwierigkeitsgrad relativ hoch, da man bewusst die richtigen Befehle eingeben musste, statt per Mausklicks wild herumzuprobieren. Dies bot dem Spieler nebenbei die Möglichkeit, zahlreiche Dinge zu testen, um die eine oder andere Überraschung zu erleben.

Die Befehle waren teils einfach, manche komplex. OPEN DOOR, TALK GIRL, COUNT THE MONEY waren leicht zu erraten bzw. bereits im Handbuch vorgegeben. Wenn man auf die Frage, wohin die Flasche Wein geliefert werden soll, HONEYMOON SUITE AT THE CASINO HOTEL eingeben sollte, war das schon etwas schwieriger. Immerhin konnten Besitzer einer Maus Larry per Klick auf das Ziel bewegen.

Ebenfalls typisch für Sierra-Adventure dieser Zeit war das Punktesystem. In Larry 1 konnte man durch das lösen von Rätseln bis zu 222 erhalten. Da es stellenweise verschiedene Lösungswege gab und das Spiel Rätsel beinhaltete, die für das Erreichen des Endes nicht nötig waren, motivierte es enorm, möglichst viel auszuprobieren.

Larry 1 war weit weg davon, ein reines „suche und benutze Objekte“ Spiel zu sein. Schon beim Start merkt man, dass es ein recht untypisches Game ist. Um anfangen zu können, muss man sein Alter bestätigen, indem man Fragen für Erwachsene beantwortet. Die süffisanten Fragen mit teils lustigen Antworten konnten mit der Kombination Alt+X (in der VGA-Version von 1991 und der von 2013 Alt+Strg+X) übersprungen werden.

Um Geld zu verdienen, musste Larry ins Casino. Dort tobte er sich entweder am einarmigen Bandit oder am Black Jack Tisch aus. Das brachte enorme Abwechslung, obwohl es mit der Zeit – vor allem in der EGA-Version – nerven konnte, da hier das zu erreichende Limit bei 250$ lag.

Die meisten Rätsel waren logisch und in sich schlüssig. Die große Herausforderung bestand vor allem darin, die Objekte zu finden. So musste zunächst mit Betrunkenen und/oder Obdachlosen gesprochen werden. Dann gab man denen ein alkoholisches Getränk, oder kaufte direkt etwas von ihnen, um anschließend irgendetwas zu erhalten.

Des Rätsels Lösung

Seine Jungfräulichkeit verliert Larry bei einer Prostituierten. Diese verbirgt sich hinter einer Tür in der Bar. Zunächst der Schwerenöter das Passwort, welches er auf der Toilette an der Wand findet. Anschließend muss er den Zuhälter mit dem Fernsehprogramm ablenken, kann ihn jedoch auch einfach bezahlen, was allerdings keine Punkte bringt. Um loslegen zu können, braucht Larry noch ein Kondom. Mit dem Taxi geht es in den Shop. Dort kann man Wein und ein Erotikmagazin kaufen. Um an das Präservativ zu kommen, muss man erst ein Hinweisschild lesen und mit dem Kassierer reden. Dadurch entsteht ein witziger Dialog und man verlässt den Laden ein paar Dollar ärmer, aber mit dem benötigten Präser.

Frau Nummer zwei ist schwieriger zu knacken. Larry trifft sie in der Disco. Die atemberaubend schöne Blondine ist anspruchsvoll, zickig und hält zunächst nichts vom kleinen Versager. Sie muss erst mit drei Geschenken beeindruckt werden. Die Rose findet Larry am Anfang in der Bar, im Vorraum zur Toilette. Die Süßigkeiten klaut er im Schlafzimmer der Nutte. Den Ring erlangt er im Waschbecken der Sanitäranlage. Gibt er die Objekte nacheinander der Dame, kommt es zur besten Szene des Spiels: der Tanz in der Disco. Larry hat tatsächlich ein Talent! Die Blondine ist fasziniert und will mit ihm Sex, allerdings nicht, ohne vorher zu heiraten.

Du bist des Todes!

Al Lowes Motto „Save early, save often“ passte perfekt zu den restlichen Sierra-Abenteuern. In Larry 1 gab es zahllose Möglichkeiten, sein Leben zu lassen. Ein unbedachter Schritt auf die Straße – schon wurde man vom Auto überfahren. Ein Gang in die falsche Gasse und man wurde ausgeraubt. Auf dem Balkon nicht am Seil festgebunden: Absturz.

Teilweise war das höchst ärgerlich und frustrierend, aber Larry 1 verstand es, daraus einen großen Spaß zu machen. Die Sterbeszenen waren teils aufwändig umgesetzt. Spieler testeten die Möglichkeiten. Und stets wurde alles sehr sarkastisch kommentiert. Manche Arten zu sterben waren zudem originell, wenn auch unlogisch. So kann der Lustmolch auf dem Klo ein großes Geschäft machen. Nur spülen darf er nicht. Die Toilette ist verstopft, die Spülung hört nicht mehr auf zu laufen. Der komplette Raum wird geflutet und Larry ertrinkt.

Manchmal reicht es schon, wenn man ein Detail übersieht. Legt Larry nach dem Sex das Kondom nicht ab, wird er auf der Straße von einem Polizisten verhaftet, weil er als pervers gilt, da zudem der Hosenstall offen steht. Vergisst man den Pariser ganz, stirbt er kurz darauf an einer Geschlechtskrankheit. Ignoriert man, im Laden zu bezahlen, wird man vom Kassierer von hinten erschossen.

Dank des Humors und der Inszenierung nimmt man die Tode dem Spiel nicht so übel wie anderen Adventures. In Police Quest 3 bspw. wird man nach dem Spieltod oberlehrerhaft aufgeklärt. Außerdem verliert man hier bereits, wenn der Spieler etwas zu langsam ist, weil man sich umschauen will. In Larry hingegen steht der Humor an erster Stelle, auch abseits der zahlreichen Tode.

Im Shop, beim Kauf des Kondoms, wird man als widerlicher Perverser von anderen Kunden des Ladens angeschrien. Am Münztelefon davor kann man eine Nummer wählen und man nimmt an einer Umfrage teil. Hier muss man mehrere persönliche Fragen beantworten, um einen Preis zu erhalten, den es nicht gibt. Später klingelt das Telefon und man bekommt einen Fake-Anruf, der die vorher genannten Antworten beinhaltet. Hier schlägt vor allem die „Abteilung totgelacht“ zu.

Witzig sind außerdem die zahlreichen Kommentare der Hauptfigur, die Reaktionen auf ihn und die kleinen Details, etwa die Sprüche an der Wand der Toilette. Oder dass man immer wieder Mundspray benutzen muss, weil sich sonst alle über den Mundgeruch beschweren.

Frustmomente

Das Abenteuer hat durchaus Schwächen. Die Tode mögen lustig sein, jedoch wenn man zu speichern vergaß, war dies äußerst deprimierend. Das Spielen im Casino macht zunächst Spaß, aber entweder man verliert sein ganzes Geld, sitzt ewig dran oder löst die Aufgabe durch ständiges sichern und neu laden. Die Tasten F5 und F7 drückt man irgendwann im Schlaf. Alleine die Fragen am Anfang können einem den letzten Nerv kosten, wenn man sprachlich nicht auf der Höhe oder schlicht nicht mit der US-Kultur vertraut ist. Die o. g. Tastenkombination steht nicht im Handbuch.

Die Spieler haben sieben Stunden in Echtzeit (acht in der VGA-Version) Zeit, um das Spiel zu beenden. An diesem Punkt begeht der verzweifelte Larry Selbstmord, was zu einem “Game Over” führt.

Die Taxifahrten und teils längeren Wege können gewaltig nerven. Sofern man etwas vergaß, kann man sich über sich selbst ärgern, aber manchmal sind die umständlichen Wege Bestandteil des Rätsels. Nach der Hochzeit geht man in das Casino-Hotel und fährt mit dem Fahrstuhl in den vierten Stock. Dies einmal anzuschauen ist nett, aber mit der Zeit nervtötend. Im Raum wartet die Ehefrau, die ist zickig und will erst Wein, um in Stimmung zu kommen. Im Radio läuft Werbung für einen Lieferservice. Auf dem Zimmer gibt es kein Telefon. Im Erdgeschoss befindet sich eins, ist aber defekt. Also ab ins Taxi. Zum Laden gefahren, am Münztelefon den Alkohol bestellt. Mit dem Taxi zurück ins Casino. Erneut in den vierten Stock. Das Weib mit Wein abgefüllt und endlich geht es zur Sache.

Doch die Blondine legt uns rein. Larry hat ihr keine Kohle für die Lieferung gegeben und wird deshalb nackt ans Bett gefesselt. Die Frau verschwindet mit dem ganzen Geld. Wenn wir vergessen haben, von einem Obdachlosen ein Messer zu nehmen, sterben wir in der Rammelkiste und können neu beginnen.

Das sind die Momente, in denen ein Spieler Larry und Sierra hassen lernt, weil man je nach Speicherpunkt sehr viel neu machen muss.

Hinzu kommen sich wiederholende Aufgaben. Wenn man die Sprüche an der Wand mehrfach lesen muss, um das Passwort zu erfahren, mag es lustig und sinnvoll sein. Den Fernseher sieben Mal umzuschalten, bis der passende Kanal für den Zuhälter kommt, nervt hingegen gewaltig. Solche Situationen kommen immer wieder vor.

Die Legende Larry

Wie so oft in der Unterhaltungsindustrie wurde auch hier eine erfolgreiche Marke ausgeschlachtet. Sierra war für seine Serien berüchtigt und jede Kuh wurde gemolken, bis sie tot umfiel. Larry war keine Ausnahme. Dennoch bewirkten einige Ereignisse, dass es legendär wurde.

Bereits die ersten Teile sorgten in den USA für einen Skandal, da sich einige Händler dem perversen Spiel verweigerten. Ein Sierra-Mitarbeiter kündigte und ein potentieller Mitarbeiter weigerte sich, an Larry zu arbeiten. Dabei waren die Szenen komplett harmlos und das Game stellenweise sogar aufklärerisch. Man soll ein Kondom benutzen, nicht einfach die Straße überqueren, dem Taxifahrer kein Alkohol geben und mehr. Die eindeutigen Szenen wurden zensiert dargestellt. Das höchste der Pixelgefühle waren Frauen mit einem großzügigen Ausschnitt und zweideutige Sprüche. Doch es sorgte dafür, dass viele mehr erwarteten, als tatsächlich drin war. Larry war das Porno-Spiel, ohne wirklich Pornographie zu enthalten. Da gab es, insbesondere Anfang der 1990er, ganz andere Titel.

Befeuert wurde dies durch Larry 4, welches nie erschien. Unter Spielern gab es die Geschichte, der vierte Teil sei so pervers, dass ihn Sierra nicht veröffentlichen wollte. Ein weiteres Gerücht besagte, dass Sierra die Zahl übersprungen habe, weil die anderen Serien in der Zählung alle fortgeschrittener seien und ein Larry 4 altbacken wirken würde. Tatsächlich beruhte die ausgelassene Version auf Al Lowe selbst. Er wollte die Reihe nach dem dritten Spiel abschließen und behauptete in Interviews, es würde keinen vierten Teil geben. Als man sich dennoch für eine Fortsetzung entschied, wurde daraus Teil 5. Lowe nannte den vierten Teil später scherzhaft „Leisure Suit Larry – The Missing Floppies“.

Larry 1 verbreitete sich schnell als Raubkopie. Eine virenverseuchte Version legte unzählige Computer lahm, darunter in der Londoner Bankenwelt. Das gab dem Spiel, obwohl es nichts dafür konnte, einen schlechten Ruf. Es entstand der Mythos, das Spiel würde die Festplatte zerstören, wenn man die volle Punktzahl erreichte. Am Ende von Larry 7 machte Sierra selbst einen Format C: – Witz darüber.

Dazu passt, dass es eines der ersten Spiele mit einem Boss-Key war. Durch drücken der Tasten Strg+B kam ein Bildschirmfoto mit Statistiken. Diese zeigten aber nur Verkaufszahlen von Kondomen. Leider gab es danach kein Zurück mehr ins Spiel. Es hing fest und man musste einen alten Spielstand bemühen.

In Freddy Pharkas: Frontier Pharmacist (1993), einem weiteren Adventure von Al Lowe (68 Punkte in der PC Player) gab es einen Auftritt von Larry, in dem er Teil 6 ankündigte. Trotz mittelmäßigen Bewertungen der Fachpresse verkaufte sich der Apotheker im Wilden Westen im sechsstelligen Bereich, was für die damalige Zeit ein gutes Ergebnis war.

Ohnehin war die Fachpresse bezüglich der Qualität der Spiele geteilter Meinung. Das groß angekündigte Leisure Suit Larry 6 bekam in der PC Player nur noch 64 Wertungspunkte, Teil 7 erhielt immerhin 4/5 Sternen (die PCP hatte zwischenzeitlich eine Sterne-Bewertung).

Der erste Teil wusste beim Fachpublikum zumindest teilweise zu überzeugen und erhielt 80er Wertungen, wobei auch Ausreißer in den 50er und 60er Bereich dabei waren. Den Großteil der Spieler störte das nicht. Sie liebten Larry, das Setting und den Humor.

Remakes

Der erste Teil wurde zweimal neu aufgelegt. Bereits vier Jahre nach der Erstveröffentlichung gab es eine VGA-Version. 256 Farben, überarbeiteter Sound, komplett neue Grafik mit tollen Animationen und eine reine Maussteuerung erwarteten den Spieler. Im Kern waren die Versionen identisch, aber es war trotzdem ein anderes Spielgefühl. Einige Stellen, etwa das Spielcasino, wurden entschärft. Allerdings gab es auch technische Probleme. Beim Gang in das Casino hängt sich das Game gerne auf, vereinzelt gibt es Schwierigkeiten mit dem Sound. Dennoch war es eine gelungene Rückkehr, gerade wenn man den optischen Sprung betrachtet.

Die neue Steuerung hat durchaus Nachteile. Vor allem ist das Spiel dadurch erheblich einfacher, wenn auch komfortabler. Einige Rätsel erledigen sich jedoch von selbst. Experimente, was möglich ist, werden reduziert. Wer aber ein Herz für den kleinen Rammler hat, sollte neben der EGA-Version ebenso die von 1991 gespielt haben. Schon alleine aufgrund der zahlreichen Animationen lohnt sich der Spaß.

2013 erschien mit Leisure Suit Larry: Reloaded eine weitere Neuauflage des ersten Teils, welches per Kickstarter finanziert wurde. Entwickelt wurde es von nFusion Interactive LLC, Al Lowe war wieder mit dabei, obwohl er mit der Spieleindustrie eigentlich nichts mehr zu tun haben wollte. Die Kritiken waren bei Fans und Presse gemischt. Eurogamer.net (UK) vergab nur 2 von 10 Punkten, 4Players.de 77, GameZebo sogar 4 von 5 Sternen.

Im Kern ist es eine modernere, hübsche Variante der VGA-Version. Die Steuerung ist nahezu identisch, die Schauplätze im Wesentlichen gleich. Aber dennoch gibt es Unterschiede, die es für alte Fans lohnenswert machen könnten. Neben der sehr guten englischen Sprachausgabe, 4K-Grafik und dem tollen Sound, haben mich vor allem die neuen Rätsel überrascht. Sie erweitern die Rahmenhandlung sinnvoll, ohne das ursprüngliche Konzept zu gefährden. Dazu gibt es ein paar zusätzliche Räume im Casino, eine Katze und ein Wal spielen eine wichtige Rolle. Eine deutsche Sprachausgabe existiert nicht, nur Untertitel.

Gelegentlich wurde gestrafft. Die Fahrten mit dem Taxi sind schneller, der Fahrstuhl zeigt nicht mehr jedes Stockwerk, beim Telefon klingelt es nur einmal, bis jemand abhebt und Larry bewegt sich flotter. Dadurch wird die Spielzeit nicht künstlich gestreckt.

Die teils in die Jahre gekommenen Witze des Originals wurden gut erweitert. Es ist kein Hit, aber wer das alte Spielgefühl in einem modernen Gewand aufleben lassen will, kann einen Blick auf den spielbaren Altherrenwitz riskieren. Kritisch zu sehen sind die deutschen Texte. Hier hat der Übersetzer ohne Rücksprache alle Witze über Juden, Muslime und Schwule eigenmächtig umgeschrieben. Auch sonst wollen manche eingedeutschte Gags nicht zünden.

Nachfolger

Alleine unter der Führung von Sierra On-Line gab es acht Teile der Serie, zudem noch vier Kompilationen. Einerseits ist es verständlich, da Larry-Spiele verhältnismäßig simpel waren. Die Rahmenhandlung ist in drei Minuten erdacht und niedergeschrieben, die Rätsel nicht sonderlich originell und das Setting nahezu beliebig. Die Zielgruppe ist vergleichsweise klein. Männlich mit einfachem Humor ohne großen Anspruch. Also entweder Teenager oder geistig leicht zurückgebliebene Männer. Diese sind oft eine treue Fangemeinde. Bis März 1996 verkaufte die Serie 1,4 Millionen Einheiten.

Doch es gab einige Probleme. Das Adventure-Genre lag Mitte der 1990er in Trümmern, weshalb die Serie zunehmend mit Minispielen verwässert wurde. Das gipfelte 2004 bei Magna Cum Laude in eine Minispielsammlung, in der man nur noch den notgeilen Neffen Larry Lovage spielte, der von Oliver Pocher gesprochen wurde. Davon hat sich selbst Al Lowe distanziert. Zu dem Zeitpunkt schenkte ich der Serie keine Beachtung mehr. Ganz einfach, weil Larry in den 1980ern hervorragend und in den 90ern bedingt funktionierte. Danach war die Zeit vorbei. Humor in Spielen gab es zuhauf, die Konkurrenz hatte bessere Rätsel, ein originelleres Setting und um halbnackte Frauen sehen zu können, war kein Adventure mehr nötig. Bereits Sierra trug die Marke zu Grabe, alle nachfolgenden Firmen, die 2013er Version ausgenommen, trampelten nur noch auf den toten, digitalen Daten herum. So auch die letzten beiden Titel von Assemble Entertainment (2018 und 2020), die von Fans mit viel Wohlwollen auf Metacritic nur mittelmäßige Bewertungen erhielten.

Was ich absolut empfehlen kann, ist die Kollektion auf GOG. Hier bekommt man die ersten sechs Teile inklusive VGA-Version. Handbücher, Avatar, Hintergründe und weitere Daten liegen für weniger als 10€ ebenfalls dabei. Es ist unter Windows, Linux und Mac OS X lauffähig. Zwar liegen alle Spiele ausschließlich in der englischen Version vor, für die letzten Teile sollten sich aber deutsche Patches im Internet finden lassen.

 

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